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Archive for the ‘Mission 2010’ Category

Als wir in 2009 unser Benin-Projekt verwirklicht haben, war für Ulrike schon sehr klar, dass sie in Afrika weiterhin etwas “bewegen” möchte. Ihre Wochen in Afrika (Sommer 2010) haben das we_magazine mit vielen bewegenden Artikeln gefüllt!

Ende letzten Jahres haben wir dann überlegt, ob wir unser Interview aus dem letzten we_magazine wieder aufgreifen und etwas tiefer in die Themen gehen wollen. Schon bald wurde mir klar, dass die im “We Magazine Africa” veröffentlichten Projekte, das sind, was die Leser interessiert – nicht ein weiteres “westlich-theoretisch-angehauchtes” Statement zu Afrika!

Ich wünsche viel Spaß beim Reisen durch den Kontinent und bin begeistert von der Ausdauer und Netzwerkarbeit der Herausgeber – Danke euch allen! (Bea, Dominik und Ulrike)

Es gibt das Magazin auch im new style auf der Webseite.

We Magazine Africa

 

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English Version

Hallo ihr Lieben !
Hier unser erster Bericht im neuen Jahr. Wir beide hoffen sehr ihr hattet alle einen guten Start und wurdet nicht all zu schnell wieder vom Arbeitsalltag eingeholt.
Uns geht es bis auf wenige Magenverstimmungen nach den ausgiebigen Festtagen, was hauptsaechlich das Essen betrifft, gut und wir fuehlen uns nach wie vor sehr herzlich aufgenommen.
Bevor die Ferien fuer uns Ende Dezember, zeitgleich mit Deutschland, begannen, ging es bei uns in der Schule noch einmal ziemlich rund. Die Woche der “Devoirs” stand an. Hier ist es nicht jedem Lehrer selbst ueberlassen die Arbeiten und Klausuren in den Klassen zu schreiben, sondern die Fachlehrer setzen sich zusammen und entwerfen fuer jede Klassenstufe eine einheitiche Arbeit. Schon das brachte einige Schwierigkeiten mit sich. Man konnte sich nur schwer einigen, war mit dem Stoff nicht auf gleichem Niveau und es dauert hier eben einfach alles ewig. Fuer die Schueler wurde es dann auch nicht gerade eine erholsame Woche: ausnamslos alle Faecher in drei Tagen!
Das bedeutet bis zu drei, teilweise zweistuendige Klausuren, an einem Tag, in einem ueberhitzten und ueberfuellten Klassenzimmer. Am naechsten Morgen das gleiche Spiel.
Wir halten diese Methode nicht gerade fuer paedagogisch wertvoll unter anderem auch, da jetzt, nach nur drei Wochen Unterricht, schon die naechste “Devoir”woche ansteht.
Fuer uns hiess es danach jeweils 150 Klausuren korrigieren.


Das naechste schulische Projekt hat uns dann schon viel besser gefallen.
Gemeinsam mit einem Lehrer unserer Schule und einer franzoesischen Familie mit drei kleinen Kindern, die gerade fuer ein halbes Jahr Westafrika durchfaehrt, haben wir einen Wissenschaftstag geplant und durchgefuehrt. Das bedeutete fuer uns Plakate zeichnen und beschriften, Computer auseinanderschrauben und uns mit Chemie- und Physikbaukaesten vertraut machen.
Der Tag verlief so, dass die Schueler, die gerade keinen Unterricht hatten, sich an mehreren Stationen anstellen und informieren konnten. Anne hat an einem alten Computer die Einzelteile erklaert und versucht den Kindern in vereinfachter Form zu erklaeren, was das Internet ist und wie dieses funktioniert. Da kamen schon einmal Fragen, ob Gott die Sateliten im Himmel gebaut hat, oder als Anne sagte man koenne im Internet alles finden, wurde gefragt ob darin auch Bilder von Gott seien. Daran wird uns immer wieder klar, dass die Menschen hier vom Wissensstand unserer “europaeischen Bevoelkerung” groesstenteils noch weit entfernt sind und sich die unverstaendlichen Dinge meist mit “goettlichem” erklaeren.
Andere Stationen haben sich mit den Themen Sonnensystem, Energiegewinnung oder mit biologischen Fragen wie z.B. Schwangerschaft beschaeftigt. Wir fanden anschliessend, dass unser Projekt ein voller Erfolg war und haben gleich einen Literaturtag im Februar angeschlagen, bei dem uns unsere angereisten Familien aus der Heimat unterstuetzen werden.


Die letzten Tage vor den Ferien hiess es fuer die Schueler dann “Sand sammeln”.
Ihr erinnert euch sicherlich noch an das noch nicht ganz fertig gestellte Schulhaus. Endlich hat sich die Regierung erbarmt und wenigstens fuer die Fertigstellung dieses einen Hauses (weitere sind in Planung und schwer von Noeten) etwas Geld zur Verfuegung gestellt. Die Arbeiten wurden gleich aufgenommen. Da es fuer grosse Geraetschaften jedoch fast unmoeglich ist ueber die schmale Piste hier ins Dorf zu gelangen und mit Sicherheit auch die finanziellen Mittel nicht zur Verfuegung stehen, war es letztlich an den Schuelern riesige Sandmassen auszuheben und als Untergrund fuer die Fundamente in das neue Schulhaus zu schleppen. Und das auf dem Kopf – natuerlich! Schon bald kann darin Unterricht stattfinden.

Nach all diesen Programmpunkten waren wir um die Feiertage und die anstehenden Feste froh. Begonnen hat alles mit Weihnachten. An Heiligabend haben wir mit unserer Familie Igname – frittes gegessen und sind anschliessend mit unserer kleinen Schwester in die katholische Kirche von Aledjo gegangen. Hier wartete das erste Mal eine weihnachtliche Stimmung auf uns. Ohne elektrisches Licht, dafuer aber bei viel Kerzenschein durften wir einen Gottesdienst erleben, der von Trommelmusik und Gesang getragen war und durch die Anwesenheit von fast ausschliesslich Kindern etwas Verwunschenes bekam.  Der Hoehepunkt an diesem Abend war allerdings wie immer die Bescherung. Puenktlich am 23. Dezember sind alle unsere Pakete aus der Heimat angekommen und so hatten wir einiges, was wir zu zweit wieder bei Kerzenschein, in unserer Wohnung auspacken konnten. Bis spaet in die Nacht sassen wir zwei zusammen und haben unser ganz eigenes und besonderes Weihnachten genossen, haben auf unserer Veranda gesessen und uns unsere schoenen Erlebnisse hier gegenseitig vor Augen gefuehrt. Der kommende Tag war dann wieder der Familie gewidmet und nach einem weiteren Gottesdienst am Morgen, gab es ein ausgiebiges Essen mit Salat, Truthahn und Couscous. Hier fanden sich an einem Tisch Christen, sowohl Protestanten, als auch Katholiken, und Muslime wieder. Bei so viel Mulitkulti haben wir viel erzaehlt, gelacht und einen schoenen Weihnachtstag verlebt.


Keine Ferien ohne Urlaub. Ganz unter diesem Motto machten wir uns am 26. auf den Weg Richtung Nikki, einer kleinen Stadt nahe Nigerias. In insgesamt vier Taxis, die keinen europaeischen Standart kennen, ratterten wir ueber staubige und furchteinfloessende Pisten, bis wir heil ankamen. Dort wartete unser Bruder Nick auf uns, der in Nikki ein Praktikum zu absolvieren hatte. Wir kamen bei einem Freund von Nick unter und hatten dort zwei Tage um erstmal Abstand vom stressigen Alltag zu gewinnen. In Nikki hatten wir die Moeglichkeit einer Pferdegarde vor dem kleinen Palast bei ihrem traditionellen Ritt zuzuschauen. Da Nikki jedoch nicht allzu gross ist und wir die Zeit nutzen wollten, um noch mehr vom Land zu sehen, beschlossen wir, uns am dritten Tag nach Parakou aufzumachen. Parakou ist die drittgroesste Stadt Benins und besitzt neben Cotonou als einzige Stadt eine Universitaet, die vom Bau der in Cotonou gleicht. Der Grund dafuer  ist, dass beide Universitaeten durch die Spenden des libyschen Presidenten gebaut wurden.
Obwohl wir erst seit fuenf Monaten im Land sind, haben sich unsere Bekannschaften schon so ausgeweitet, dass wir auch in Parakou in keinem Hotel absteigen mussten. Stattdessen konnten wir bei einem unserer Kollegen (Rachidi – Mathe- und Physiklehrer) aus der Schule schlafen. Er besuchte dort seine Familie und war so nett, uns bei sich aufzunehmen. Ganz anders als die Staedte im Sueden, liegt Parakou mehr im Gruenen und ist nicht so dicht besiedelt. Das erzeugt seinen ganz eigenen Charme. Abends ging es fuer uns immer auswaerts etwas Essen und Trinken, es wurde getanzt und wir konnten mal das afrikanische Nachtleben geniessen. Das sich bei all dem “fremden” Essen auch der Darm mal meldet, mussten wir jeden Morgen unweigerlich feststellen. Leider gab es im Hause Rachidi kein Klo. Das hiess fuer uns, zu viert auf zwei Motorraeder steigen und ein weiter entferntes Feld aufsuchen. Hier traf man sich, um das Noetigste zu erledigen.


Bei den heissen Temperaturen tagsueber hat es uns dann auch in ein Hotelschwimmbad gezogen, wo wir endlich mal wieder ins kuehle Nass springen durften. Fuer uns, geuebte Schwimmerinnen seit Kindertagen, war das der reinste Spass. Dass wir Nick allerdings fast ins Wasser zwingen mussten, und Rachidi sich nicht ueberzegen liess, zeigte uns, dass der Umgang mit Wasser nicht ueberall der gleiche ist. Schon das bauchnabeltiefe Wasser machte den sonst so strammen Maennern richtig Angst.
Nach zwei ausgelassenen Tagen ging es dann wieder nach Hause. Fuer das Silvesterfest hatten wir uns vorgenommen, im Kreise der Familie zu sein. Bei uns fallen sich die Menschen vom bunten Feuerwerk begleitet um punkt zwoelf in die Arme und man kommt garnicht hinterher jedem ein “Frohes neues Jahr” zu wuenschen. Hier in Afrika ticken die Uhren aber bekanntlich anders. So waren wir zwei die einzigen, die das neue Jahr puenktlich “begannen” und uns herzten. Unsere einheimischen Freunde hingegen haben sich noch weitere Minuten im alten Jahr gegoennt und sind wie immer alles mit Geduld angegangen. Den Umtrunk mit Nachbarn und Freunden mussten wir aber nicht missen. Hierzu ist die gesamte Nachbarschaft bei unserer Familie eingefallen und alles hat ausgelassen gefeiert.

Statt Chips oder Salzstangen wurde allerdings fritierte Buschratte ausgeteilt. Und auch anders als bei uns war der erste Januar der richtig gefeierte Tag. Da wurde dann nochmal gross gegessen, alles aufgetischt und die eingeladenen Maenner haben ganz nach afrikanischer Mannier alle ihre Frauen zu Hause gelassen. Bei diesem Zustand blieb es aber nicht lange. Denn unsere emanzipierte Mamman, vor der hier alle Maenner klein dastehen, schickte sie alle wieder nach Hause, um die Frauen und Kinder zu holen.

Man kann also sagen, dass unsere Feiertage ein Gemisch aus Neuem, Kulturschock und Vertrautem waren. Der Alltag hat uns inzwischen wieder und damit sind wir jetzt auch zu frieden. Schon gespannt erwarten wir bereits den Besuch unserer Familien Mitte Februar. Wir freuen uns, endlich mal alles zeigen zu duerfen und vertraute Gesichter wiederzusehen. Mit jedem Tag waechst die Anspannung und Freude und wir hoffen, dass unsere Lieben danach wieder heil bei euch ankommen.

Wir wuenschen euch einen nicht zu eisigen Winterausklang oder wenn sich das nicht vermeiden laesst viele warme Gedanken. Wir waeren dankbar fuer jedes kaeltere Grad. Also schickt es uns doch vorbei. Tausende Kuesse und viele, liebe Gruesse in die Heimat.

Eure zwei Maedels

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