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Als wir in 2009 unser Benin-Projekt verwirklicht haben, war für Ulrike schon sehr klar, dass sie in Afrika weiterhin etwas “bewegen” möchte. Ihre Wochen in Afrika (Sommer 2010) haben das we_magazine mit vielen bewegenden Artikeln gefüllt!

Ende letzten Jahres haben wir dann überlegt, ob wir unser Interview aus dem letzten we_magazine wieder aufgreifen und etwas tiefer in die Themen gehen wollen. Schon bald wurde mir klar, dass die im “We Magazine Africa” veröffentlichten Projekte, das sind, was die Leser interessiert – nicht ein weiteres “westlich-theoretisch-angehauchtes” Statement zu Afrika!

Ich wünsche viel Spaß beim Reisen durch den Kontinent und bin begeistert von der Ausdauer und Netzwerkarbeit der Herausgeber – Danke euch allen! (Bea, Dominik und Ulrike)

Es gibt das Magazin auch im new style auf der Webseite.

We Magazine Africa

 

In the new we-magazine there is an interview with my dear friend Alexander Rausch and me on our WeBenin project.

Helping People to Help Themselves – WeBenin

English Version

Hallo ihr Lieben !
Hier unser erster Bericht im neuen Jahr. Wir beide hoffen sehr ihr hattet alle einen guten Start und wurdet nicht all zu schnell wieder vom Arbeitsalltag eingeholt.
Uns geht es bis auf wenige Magenverstimmungen nach den ausgiebigen Festtagen, was hauptsaechlich das Essen betrifft, gut und wir fuehlen uns nach wie vor sehr herzlich aufgenommen.
Bevor die Ferien fuer uns Ende Dezember, zeitgleich mit Deutschland, begannen, ging es bei uns in der Schule noch einmal ziemlich rund. Die Woche der “Devoirs” stand an. Hier ist es nicht jedem Lehrer selbst ueberlassen die Arbeiten und Klausuren in den Klassen zu schreiben, sondern die Fachlehrer setzen sich zusammen und entwerfen fuer jede Klassenstufe eine einheitiche Arbeit. Schon das brachte einige Schwierigkeiten mit sich. Man konnte sich nur schwer einigen, war mit dem Stoff nicht auf gleichem Niveau und es dauert hier eben einfach alles ewig. Fuer die Schueler wurde es dann auch nicht gerade eine erholsame Woche: ausnamslos alle Faecher in drei Tagen!
Das bedeutet bis zu drei, teilweise zweistuendige Klausuren, an einem Tag, in einem ueberhitzten und ueberfuellten Klassenzimmer. Am naechsten Morgen das gleiche Spiel.
Wir halten diese Methode nicht gerade fuer paedagogisch wertvoll unter anderem auch, da jetzt, nach nur drei Wochen Unterricht, schon die naechste “Devoir”woche ansteht.
Fuer uns hiess es danach jeweils 150 Klausuren korrigieren.


Das naechste schulische Projekt hat uns dann schon viel besser gefallen.
Gemeinsam mit einem Lehrer unserer Schule und einer franzoesischen Familie mit drei kleinen Kindern, die gerade fuer ein halbes Jahr Westafrika durchfaehrt, haben wir einen Wissenschaftstag geplant und durchgefuehrt. Das bedeutete fuer uns Plakate zeichnen und beschriften, Computer auseinanderschrauben und uns mit Chemie- und Physikbaukaesten vertraut machen.
Der Tag verlief so, dass die Schueler, die gerade keinen Unterricht hatten, sich an mehreren Stationen anstellen und informieren konnten. Anne hat an einem alten Computer die Einzelteile erklaert und versucht den Kindern in vereinfachter Form zu erklaeren, was das Internet ist und wie dieses funktioniert. Da kamen schon einmal Fragen, ob Gott die Sateliten im Himmel gebaut hat, oder als Anne sagte man koenne im Internet alles finden, wurde gefragt ob darin auch Bilder von Gott seien. Daran wird uns immer wieder klar, dass die Menschen hier vom Wissensstand unserer “europaeischen Bevoelkerung” groesstenteils noch weit entfernt sind und sich die unverstaendlichen Dinge meist mit “goettlichem” erklaeren.
Andere Stationen haben sich mit den Themen Sonnensystem, Energiegewinnung oder mit biologischen Fragen wie z.B. Schwangerschaft beschaeftigt. Wir fanden anschliessend, dass unser Projekt ein voller Erfolg war und haben gleich einen Literaturtag im Februar angeschlagen, bei dem uns unsere angereisten Familien aus der Heimat unterstuetzen werden.


Die letzten Tage vor den Ferien hiess es fuer die Schueler dann “Sand sammeln”.
Ihr erinnert euch sicherlich noch an das noch nicht ganz fertig gestellte Schulhaus. Endlich hat sich die Regierung erbarmt und wenigstens fuer die Fertigstellung dieses einen Hauses (weitere sind in Planung und schwer von Noeten) etwas Geld zur Verfuegung gestellt. Die Arbeiten wurden gleich aufgenommen. Da es fuer grosse Geraetschaften jedoch fast unmoeglich ist ueber die schmale Piste hier ins Dorf zu gelangen und mit Sicherheit auch die finanziellen Mittel nicht zur Verfuegung stehen, war es letztlich an den Schuelern riesige Sandmassen auszuheben und als Untergrund fuer die Fundamente in das neue Schulhaus zu schleppen. Und das auf dem Kopf – natuerlich! Schon bald kann darin Unterricht stattfinden.

Nach all diesen Programmpunkten waren wir um die Feiertage und die anstehenden Feste froh. Begonnen hat alles mit Weihnachten. An Heiligabend haben wir mit unserer Familie Igname – frittes gegessen und sind anschliessend mit unserer kleinen Schwester in die katholische Kirche von Aledjo gegangen. Hier wartete das erste Mal eine weihnachtliche Stimmung auf uns. Ohne elektrisches Licht, dafuer aber bei viel Kerzenschein durften wir einen Gottesdienst erleben, der von Trommelmusik und Gesang getragen war und durch die Anwesenheit von fast ausschliesslich Kindern etwas Verwunschenes bekam.  Der Hoehepunkt an diesem Abend war allerdings wie immer die Bescherung. Puenktlich am 23. Dezember sind alle unsere Pakete aus der Heimat angekommen und so hatten wir einiges, was wir zu zweit wieder bei Kerzenschein, in unserer Wohnung auspacken konnten. Bis spaet in die Nacht sassen wir zwei zusammen und haben unser ganz eigenes und besonderes Weihnachten genossen, haben auf unserer Veranda gesessen und uns unsere schoenen Erlebnisse hier gegenseitig vor Augen gefuehrt. Der kommende Tag war dann wieder der Familie gewidmet und nach einem weiteren Gottesdienst am Morgen, gab es ein ausgiebiges Essen mit Salat, Truthahn und Couscous. Hier fanden sich an einem Tisch Christen, sowohl Protestanten, als auch Katholiken, und Muslime wieder. Bei so viel Mulitkulti haben wir viel erzaehlt, gelacht und einen schoenen Weihnachtstag verlebt.


Keine Ferien ohne Urlaub. Ganz unter diesem Motto machten wir uns am 26. auf den Weg Richtung Nikki, einer kleinen Stadt nahe Nigerias. In insgesamt vier Taxis, die keinen europaeischen Standart kennen, ratterten wir ueber staubige und furchteinfloessende Pisten, bis wir heil ankamen. Dort wartete unser Bruder Nick auf uns, der in Nikki ein Praktikum zu absolvieren hatte. Wir kamen bei einem Freund von Nick unter und hatten dort zwei Tage um erstmal Abstand vom stressigen Alltag zu gewinnen. In Nikki hatten wir die Moeglichkeit einer Pferdegarde vor dem kleinen Palast bei ihrem traditionellen Ritt zuzuschauen. Da Nikki jedoch nicht allzu gross ist und wir die Zeit nutzen wollten, um noch mehr vom Land zu sehen, beschlossen wir, uns am dritten Tag nach Parakou aufzumachen. Parakou ist die drittgroesste Stadt Benins und besitzt neben Cotonou als einzige Stadt eine Universitaet, die vom Bau der in Cotonou gleicht. Der Grund dafuer  ist, dass beide Universitaeten durch die Spenden des libyschen Presidenten gebaut wurden.
Obwohl wir erst seit fuenf Monaten im Land sind, haben sich unsere Bekannschaften schon so ausgeweitet, dass wir auch in Parakou in keinem Hotel absteigen mussten. Stattdessen konnten wir bei einem unserer Kollegen (Rachidi – Mathe- und Physiklehrer) aus der Schule schlafen. Er besuchte dort seine Familie und war so nett, uns bei sich aufzunehmen. Ganz anders als die Staedte im Sueden, liegt Parakou mehr im Gruenen und ist nicht so dicht besiedelt. Das erzeugt seinen ganz eigenen Charme. Abends ging es fuer uns immer auswaerts etwas Essen und Trinken, es wurde getanzt und wir konnten mal das afrikanische Nachtleben geniessen. Das sich bei all dem “fremden” Essen auch der Darm mal meldet, mussten wir jeden Morgen unweigerlich feststellen. Leider gab es im Hause Rachidi kein Klo. Das hiess fuer uns, zu viert auf zwei Motorraeder steigen und ein weiter entferntes Feld aufsuchen. Hier traf man sich, um das Noetigste zu erledigen.


Bei den heissen Temperaturen tagsueber hat es uns dann auch in ein Hotelschwimmbad gezogen, wo wir endlich mal wieder ins kuehle Nass springen durften. Fuer uns, geuebte Schwimmerinnen seit Kindertagen, war das der reinste Spass. Dass wir Nick allerdings fast ins Wasser zwingen mussten, und Rachidi sich nicht ueberzegen liess, zeigte uns, dass der Umgang mit Wasser nicht ueberall der gleiche ist. Schon das bauchnabeltiefe Wasser machte den sonst so strammen Maennern richtig Angst.
Nach zwei ausgelassenen Tagen ging es dann wieder nach Hause. Fuer das Silvesterfest hatten wir uns vorgenommen, im Kreise der Familie zu sein. Bei uns fallen sich die Menschen vom bunten Feuerwerk begleitet um punkt zwoelf in die Arme und man kommt garnicht hinterher jedem ein “Frohes neues Jahr” zu wuenschen. Hier in Afrika ticken die Uhren aber bekanntlich anders. So waren wir zwei die einzigen, die das neue Jahr puenktlich “begannen” und uns herzten. Unsere einheimischen Freunde hingegen haben sich noch weitere Minuten im alten Jahr gegoennt und sind wie immer alles mit Geduld angegangen. Den Umtrunk mit Nachbarn und Freunden mussten wir aber nicht missen. Hierzu ist die gesamte Nachbarschaft bei unserer Familie eingefallen und alles hat ausgelassen gefeiert.

Statt Chips oder Salzstangen wurde allerdings fritierte Buschratte ausgeteilt. Und auch anders als bei uns war der erste Januar der richtig gefeierte Tag. Da wurde dann nochmal gross gegessen, alles aufgetischt und die eingeladenen Maenner haben ganz nach afrikanischer Mannier alle ihre Frauen zu Hause gelassen. Bei diesem Zustand blieb es aber nicht lange. Denn unsere emanzipierte Mamman, vor der hier alle Maenner klein dastehen, schickte sie alle wieder nach Hause, um die Frauen und Kinder zu holen.

Man kann also sagen, dass unsere Feiertage ein Gemisch aus Neuem, Kulturschock und Vertrautem waren. Der Alltag hat uns inzwischen wieder und damit sind wir jetzt auch zu frieden. Schon gespannt erwarten wir bereits den Besuch unserer Familien Mitte Februar. Wir freuen uns, endlich mal alles zeigen zu duerfen und vertraute Gesichter wiederzusehen. Mit jedem Tag waechst die Anspannung und Freude und wir hoffen, dass unsere Lieben danach wieder heil bei euch ankommen.

Wir wuenschen euch einen nicht zu eisigen Winterausklang oder wenn sich das nicht vermeiden laesst viele warme Gedanken. Wir waeren dankbar fuer jedes kaeltere Grad. Also schickt es uns doch vorbei. Tausende Kuesse und viele, liebe Gruesse in die Heimat.

Eure zwei Maedels

Welcome 2010

This is our first report in 2010. We hope that all of you had a good start in the new year. Both of us are healthy and we really enjoy being here, once in a while our stomachs refuse african food … but this is manageable:-) No worries!

Before the holiday season started, we had several projects going on at school. One of them was the week of exams. Each class had to write all exams within three days. In order to get this done, all the teachers of one subject met to discuss and decide about the tests. It was a tough job to agree upon the “right” questions:-) For the pupils – we guess – it was even harder to pass the exams – not only because of the questions mainly because of the circumstances within the school: way too many pupils in one class, extreme heat … only little water …
Although this is most likely not the best way to pass exams, we simply had to follow the rules … no way to step out of line. So we did prepare everything the best way we could – ending up to correct 150 papers per subject.

The next project promised far more fun: science day. The project team included one of our colleagues and a French family with three little children who stopped by on their six months trip through West Africa. The job was to create posters and banners on all different kind of subjects. All day long students stepped by and learned about computers, biological themes such as e.g. pregnancy, satellites, our solar system and mother earth. We ourselves got to know a lot about several physical experiments.
Since this project was quite a success we decided to have another project day in February: Literature will be the theme! Our families – who will come to visit us in Benin – will support us.

The very last days before Christmas students were asked to help finishing the new school building. They were carrying sand and earth in bowls from a huge burrow. By the end of the day they were exhausted, but they did a great job!!! We suppose that the new building will be ready to use within a couple of days.

After all we were happy to enjoy some days off. Holidays started with Christmas. On Christmas Eve – Holy Night – we went to the Catholic Church here in Alédjo with our sister Pascaline. We had a wonderful time during service. We ate “igname – frittes”. We really experienced the first “christmas-ish” moments in Africa: beautiful candlelight, the sound of drums and the children singing – both of us were deeply impressed and touched while celebrating the Holy Night. Later, back home, we unwrapped our presents that had arrived the day before from our families. That night we sat outside on our terrace for a long time, talking about our african experiences …

The next day we had lunch with our African family. Muslims, protestants and catholics celebrating all together – good to see! We’ve had a great time.

But what are holidays without a holiday trip? We left Alédjo December, 26 to visit our brother Nick in Nikki, a small town close to the nigerian border. We enjoyed a bumby ride, changed taxis four times and arrived safe at our final destination:-) In Nikki we visited the small palace and watched the traditional horse guard. From Nikki we went on to Parakou, the third biggest town in Benin. There we had the chance to tour Parakou University. The buildings look very similar to the one in Cotonou – both of them were built with the donation of the president of Libya.

Within our five month stay in Benin we’ve already made a lot of friends. So there was no need for us to stay in hotels during our trip. At Parakou we stayed with our colleague from school (Rachidi, maths- and physics teacher) who visited his family. Parakou is a very pretty town: many parks, green areas and only little air pollution. That gives the town a special atmosphere. In the evenings we ate and drank outdoors, had inspiring conversations and discussions, danced and simply enjoyed African nightlife. All in all a great unforgettable experience!

Traveling in Africa always means traveling in the heat! Temperatures was up to 40 degrees! Luckily we’ve found a hotel with a big swimming pool. Together with Nick and Rachidi we spent a refreshing and relaxing afternoon:-) We were surprised to see that the guys didn’t enjoy the water as much as we did. The legs of the strong young men seem to turn to jelly ….

We returned to Alédjo to celebrate New Year with our family. Unlike to our Germany New Year celebration Africans take their time … an hour passed midnight we were lucky not to miss the sparkling wine. The midnight menue was kind of surprising … a specially prepared pack rat. Happy New Year!

New Year’s Day is a big fiesta! Our family invited all the teachers. It turned out – just like it is in a men-dominated culture – all the teachers arrived without their women! Our “Mum wasn’t pleased to see this happen. In her very unique strong manner she send them back home and ask them to come back with their wives. In the end we were all celebrating together – another great day for us in Benin. Thanks to the people in Aledjo and especially to our family here – they really make us feel home!
A very exciting and a very special time- we don’t want to miss any second that has passed.

In February our parents and brothers will come and visit us. We are already very excited! Hopefully they will enjoy their stay as much as we!

This is it for toady! It is time to say Happy New Year! We hope the freezing temperatures won’t bother you too much.

“Warmest” regards and a bit of sunshine to all of you!

Sincerely, yours Anne and Nadja

Hallo ihr Lieben,
So langsam ist bei uns der Alltag eingekehrt. Um euch zu erlaeutern, wie so ein Tag fuer uns aussieht, werden wir euch diesesmal unseren typischen Tagesablauf schildern.
Gegen sechs Uhr morgens ist es hier kaum noch moeglich zu schlafen. Die Haehne kraehen, der Muezzin schreit, die Motorraeder brummen und die Menschen unterhalten sich, was man bei uns  “sich anschreien” nennen wuerde. Gegen sieben Uhr haelt man es dann im Bett auch nicht mehr aus und um acht Uhr faengt fuer uns an drei Tagen der Woche sowieso die Schule an.


Nach dem Aufstehen gibt es erstmal Fruehstueck. Die Menschen hier essen schon morgens Reis, wir haben dann aber doch lieber am guten alten Brot festgehalten, auch wenn es natuerlich laengst nicht so gut ist wie in Deutschland! Hier in Aledjo bekommen wir nur suesses Weissbrot. Und der Aufstrich ist  eher Improvisation: Matschbananen, ungewuerzte Erdnusscrème, ungewuerzter Hartkaese oder Honig, in dem oft ganze Bienen schwimmen. Ist kein Brot da, gibt es als Alternative “Tapioka”, ein eher schleimiger Brei aus Manjok, den man mit Zucker und Dosenmilch isst. Eigentlich finden wir das lecker, denn es ist zur Abwechslung mal was Suesses. Die Menschen hier behaupten, sie vertragen keinen Zucker. Schokolade ist daher leider schwierig zu finden.
Nach dem Fruehstuck geht es dann in die Schule, die nur wenige hundert Meter von unserem Haus entfernt ist. Trotzdem fahren die Lehrer diese paar Meter jeden Morgen mit dem Motorrad, da dies bei ihnen als wichtiges Statussymbol gilt. Auf dem Schulgelaende angekommen, fuehrt unser Weg zu einem kleinen Haus. Es besteht aus drei winzigen Zimmern: de Direktoriat, dem Sekreteriat und dem Lehrerzimmer, welches vollgestopft, eng und heruntergekommen ist.
Dort geht dann die hier so uebliche Begruessungszeremonie los. Es wird jedem einzelnen die Hand geschuettelt, man wuenscht sich einen guten Morgen und dann kommen die Fragen nach der Gesundheit, der Familie, dem Wetter usw. . Das kann lange dauern und war fuer uns am Anfang sehr gewoehnungsbeduerftig.
Anschliessend koennen wir dann mit unserer eigentlichen Aufgabe beginnen, dem Lehren.


Die ersten Stunden waren eine grosse Zerreissprobe fuer uns, wie schon im letzten Bericht beschrieben. Aber mitlerweile haben wir auch einen Weg gefunden mit der Herrausforderung Schule umzugehen. Das bedeutet an erster Stelle einmal sehr viel Geduld! Ausserdem muessen wir auch akzeptieren, dass es nicht moeglich ist, allen Kindern nahe zu bringen, dass es wichtig ist aufmerksam zuzuhoeren. Da machen wir dann meistens nur mit etwa 30 von 83 Kindern aktiv den Unterricht, der Rest muss irgendwie enigermassen still gehalten werden.
Um zwoelf Uhr sind wir dann vorerst von unseren Pflichten befreit und koennen uns auf den Weg zum wohlverdiehnten Mittagessen in Mama Ouefas Strassenkueche machen (Bild oben).
Nach dem Essen gehen wir dann gesaettigt durch die Mittagshitze wieder zurueck nach Hause.


Vor etwa drei Wochen hat es hier zum letzten Mal geregnet. Jetzt hat die “fraicheur”, mit dem Wuestenwind “Harmattan” hat begonnen. Das bedeutet, dass es nachts relativ kuehl wird, was zum Schlafen sehr angenehm ist, und tagsueber wird die Hitze durch einen trockenen Wuestenwind gelindert. Der bringt jedoch auch einen trockenen Hals und trockene Haut mit sich.
Zu Hause angekommen ruhen wir uns meistens ein bisschen aus, bevor wir den Unterricht fuer den naechsten Tag vorbereiten. Da es im Bett definitiv zu heiss ist, haben wir uns an die afrikanischen Gewohnheiten angepasst und schlafen auf einer gewebten Matte im Gang unserer Wohnung, wo ein angenehmer Luftdurchzug ist. Nicht selten liegen wir dort Seite an Seite mit Nachbarn und allen moeglichen Kindern.


Nachdem wir die Vorbereitungen fuer die Schule hinter uns gebracht haben, fallen noch andere Arbeiten an. Wasser muss zum Duschen und Abspuelen aus dem Brunnen geholt werden, der zum Gluck in unserem Garten steht, die Waesche muss natuerlich mit der Hand gewaschen werden oder es muss auf dem Markt eingekauft werden.
Anschliessend macht einer von uns Feuer, der andere bereitet die Zutaten fuer unser Essen vor. Oft kochen wir auch mit unserer Nachbarin zusammen, die uns die afrikanische Kuche von Tag zu Tag naeher bringt. Haben wir bis um sieben Uhr Unterricht, lassen wir uns bei Maman von unseren Schwestern Pascaline (Passi) und Rachida bekochen. Wenn es darum geht Yam-pillet zu stampfen, helfen auch die Jungs mit.


Das Zussammensein mit unserer Familie geniessen wir sehr. Es wird viel herumgealbert, mit Maman diskutiert und mit Papa schauen wir um acht die Nachrichten. Mal auf franzoesisch, mal auf deutsch. Nicht selten sind wir bereits um neun Uhr hundemuede, reissen uns irgendwie von Mamans Redeschwall los und laufen nach Hause. Dort lesen wir uns noch gegenseitig aus unserem Buch vor und dann wird geschlafen, insofern die lautstarken Unterhaltungen der Nachbarn das zulassen.
Wir hoffen durch diesen kleinen Einblick in unseren Alltag koennt ihr euch schon ein bisschen besser vorstellen, in welchem Rythmus wir jetzt leben und wie es uns hier ergeht.
Seit kurzem koennen wir manchmal auch von zu Hause aus in unsere Mails schauen. Wenn es also konkrete Fragen gibt, die ihr beantwortet haben wollt, koennt ihr auch gerne mal eine Mail schicken. Wir freuen uns ueber Gruesse und Reaktionen jeder Art und schicken euch zu Weihnachten in das allzu milde Deutschland eine warme Brise. Sollten wir uns vor Weihnachten nicht mehr melden, wuenschen wir euch ein frohes Fest. Und denkt an uns, denn hier will die Weihnachtsstimmung so garnicht richtig aufkommen.
Eure Nadja und Anne

Liebe Freunde,
es sind wieder ein paar Wochen vergangen, seit dem letzten Bericht. Uns beiden geht es sowohl gesundheitlich, als auch seelisch gut. In diesem Bericht wollen wir euch einen Einblick in unsere Arbeit mit ADRIA  und den hiesigen Umstaenden an der Schule geben. Aber vorab wollen wir doch auch von ein paar anderen wichtigen Dingen berichten. Nadja war einige Tage ein bisschen niedergeschlagen, lag mit starken Kopfschmerzen im Bett und ist auf Grund dessen ins Krankenhaus gegangen, um den so genannten “dicken Tropfen” zu lassen. Das bedeutet, dass durch einen schnellen Bluttest mit Hilfe eines Tropfens Blut ermittelt wird, ob jemand an Malaria erkrankt ist oder nicht. Gott sei dank hat sich diese Vermutung dank unseres wunderwirkenden chinesischen Tees nicht bestaetigt und Nadja konnte die kleine Krankenstation etwas gelassener wieder verlassen. So haben wir eine gute Erfahrung mit der aerztlichen Versorgung hier gemacht und koennen uns auch in einem ernsteren Fall sicher sein, dass uns schnell geholfen wird.

Ein weiteres Erlebnis hat uns gezeigt, dass noch Welten zwischen Europa und Afrika liegen, die es gilt zu ueberbruecken und das hoffentlich auch mit eurer Hilfe. Ohne darauf vorbereitet gewesen zu sein haben wir versteckt in einem Hinterhof hier in Aledjo eine junge Frau kennengelernt, die vor zwei Monaten einen kleinen Jugen zur Welt gebracht hat. Schon waehrend der neunmonatigen Schwangerschaft muss sie krank gewesen sein und so ist der Junge stark unterernaehrt und unterentwickelt zur Welt gekommen. Wo bei uns die Aerzte Alarm schlagen wuerden und wo dank unseres Gesundheitssystems jedem, ob arm oder reich, irgendwie geholfen wuerde, passiert hier rein garnichts. Obwohl uns bei dem Anblick des kleinen Jungen mit bereits Hungerhaaren auf dem Ruekcen und seiner schwachen Mutter das Herz zerbrochen ist, mussten wir erkennen, dass wir ihnen nicht helfen koennen. Mittlerweile haben wir mitbekommen, dass die zwei in einer Klinik in Parakou liegen. Wer diesen Aufenthalt bezahlt konnten wir nicht herausfinden, dennoch sind wir froh darueber.

Ende September wurde dann unsere Arbeitskraft zum ersten Mal ernsthaft in Anspuch genommen, auch wenn man bei der in Anspruchnahme im Sinne von Denk- oder koerperlicher Arbeit nicht gerade sprechen kann. Wir beide sind mit ONG ADRIA durch die Doerfer gezogen und haben an hunderte Eltern Schulkredite ausgezahlt. Unsere Aufgabe bestand darin, Vertraege mit der Hand auszufuellen. Das bedeutete fuer uns hunderte Namen abschreiben, hunderte Unterschriften nehmen ( meist Fingerabdruecke, weil die aelteren Menschen hier selten die Schule besucht haben) , hunderte Male ein und den selben Satz schreiben. Wir mussten uns teilweise wirklich an den Kopf fassen, wie langsam und umstaendlich hier alles ablaeuft! Aber die Arbeit musste getan werden und wir waren froh endlich mal etwas zu tun zu haben, auch wenn uns danach immer ziemlich der Kopf geraucht hat und uns die Finger geschmerzt haben. Leider ist es hier zusaetzlich nicht gerade einfach die Menschen von ihrem Glueck zu ueberzeugen. Unsere Maman, die Direktorin von ADRIA, musste in jedem Dorf stundenlang auf die Eltern einreden, damit diese das Geld auch wirklich fuer die Bildung ihrer Kinder investieren und sich stattdessen nicht, auf Grund ihrer aermlich Lebnssituation, dazu verlocken lassen, das Geld fuer sonstige Dinge auszugeben. Beispielsweise hat ADRIA die Kreditvergabe zeitlich extra nach das Rammadanfest verlegt, um sicher gehen zu koennen, dass aus Schulheften nicht doch ein grosses Festmahl wird. Trotz dieser staendigen Rueckschlaege, zeigt die Erfahrung, dass die Arbeit von ADRIA durchaus Fruechte traegt und schon tausenden Mensche hier in der Umgebung den Ausblick auf ein Leben mit einer besseren Zukunft ermoeglicht hat.


Die folgenden Tage bestanden anschliessend darin, die Schulmaterialien an die Schulkinder zu verteilen. Dieses Jahr war es ADRIA aber leider aus finanziellen Gruenden nicht moeglich, fuer jedes der beduerftigen Kinder, Schultaschen und Stoff fuer die Schuluniform ( Kaki) zu kaufen. So bestanden die kleinen Paketchen eben aus Stiften, Linealen und Heften usw., die  wir den Kindern in loechrigen Plastiktueten uebergaben.
Jetzt moechten wir aber ein wenig von unserer neuen und spannenden Aufgabe als Deutsch- und Englischlehrerinnen berichten. Tatsaechlich haben wir endlich nach mehrern Wochen des Wartens unsere Stundenplaene erhalten, die sich auf zehn Schulstunden fuer jeden von uns  belaufen. Nadja unterrichtet jetzt eine 11. Klasse in Deutsch, wir beide jeweils eine 7. Klasse in Englisch und Anne eine 8. Klasse in Englisch.

Man koennte jetzt denken, wir waeren in irgendeiner Form in unsere neue Aufgabe eingewiesen worden. Hier kann ich aber nur beifuegen, dass dem nicht so war und dass wir buchstaeblich ins kalte Wasser geworfen wurden. An einem Montag (12. Oktober ) hiess es auf einmal Anne solle den Unterricht in den ersten vier Stunden beginnen. Ohne richtig vorbereitet gewesen zu sein ging es also los. Die Feuertaufe haben wir beide bestanden und sind mittlerweile an chaotische Zustaende gewoehnt. Hier koennen wir anfuegen, dass die Regierung den Direktor eine Woche vor dem eigentlichen Schulbeginn ausgetauscht hat, dass bis heute keine Lehrerkonferenz mit allen Lehrern stattgefunden hat, dass eines der Schulgebaeude unfertig und mit Gras bewachsen herumsteht und desshalb das Chemielabor geraeumt wurde und nun als Klassenzimmer dient, dass die Schueler in der ersten Schulwoche ausschliesslich das grosse Schulgelaende von Unkraut und hoch gewachsenem Gras befreit haben, dass die Englischlehrer eher schlechtes Englisch sprechen und noch fehlerhafter schreiben, dass wir die einzigen weiblichen Lehrer weit und breit sind, dass jede Klasse aus mindestens 60 Schuelern besteht – nach oben sind dem aber keine Grenzen gesetzt, wieso nicht auch 100 Kinder in ein Klassenzimmer stecken -, dass der Unterricht auf Grund der dreistuendigen Mittagspause abends bis um 19 Uhr geht, es aber kein Licht gibt und wir den Unterricht desshalb schon vorher abbrechen muessen, dass ein Lehrer hier zwischen 61,50 und 89,20 Euro pro Monat verdient, dass selbst der fuer die Organisation verantwortliche “Censeur” Doppelstunden einer Klasse an zwei Lehrer gibt, die sich dann einigen muessen, wie sie ihre Stunden neu verteilen, dass auf Grund fehlender Klassenraeume auch Samstags Unterricht stattfindet und dass manche Kinder einen Schulweg von vielen Kilometern haben. Wir koennten noch ewig so weiter machen, was zeigt, dass es Handlungsbedarf gibt.

Wir beide versuchen uns so gut es uns moeglich ist uns anzupassen und an manchen Stellen Verbesserungsvorschlaege einzubringen.
Bisher ist uns das alles recht gut gelungen und wir hoffen, dass wir auch in den naechsten 8 Monaten noch viel bewirken koennen.
Mit diesem Bericht schicken wir euch viele Gruesse und hoffen, dass es nicht zu kalt ist in der Heimat. Wenn doch schicken wir auch gleich eine warme Brise mit, die euch an uns erinnern soll. Geniesst den deutschen Herbst fuer uns mit, die bunten Baeume fehlen hier.
Eure Anne und Nadja

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